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Das 1. Europäische Autobahntreffen und 20. Treffen der AGAB e.V. fand am Wochenende 17.-19. April 2009 im Jevicko / Gewitsch im Raum Moravska- Trebova / Mährisch-Trübau an der “Strecke 138” statt.
Eingeladen waren Mitglieder und Freunde der AGAB e.V. aus Norwegen, Polen, Tschechien, Frankreich, den Niederlanden, der Schweiz, Österreich und der Bundesrepublik Deutschland.

Die AGAB e.V. griff damit erneut den Wunsch der Völkerverständigung und des Zusammenwachsens Europas auf, der schon in den 1920er Jahren zu Beginn des europäischen Autobahnbaues mit verwirklicht werden sollte.

Das ist das neue Europa”, meinte einer der Teilnehmer, als einige über die Autobahnstrecken ihrer Anreise berichteten. Die polnischen Freunde fuhren über die deutschen Autobahnen und deutsche Teilnehmer bereisten die polnischen, tschechischen und österreichischen Autobahnen.

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Zusammen mit tschechischen Autobahnfreunden ließ sich ein Treffen in Jevicko, früher Gewitsch, auf die Beine stellen. Tagungsort war das Hotel Morava Jevicko, zentral am quadratischen Marktplatz gelegen. Für die hervorragende Organisation dieser Veranstaltung möchten wir uns hier noch einmal bei den Herren Chaloupek, Janda und Lidl bedanken.

Am Freitag, den 17.04.2009 konnten wir gegen 19 Uhr vom Stadtturm aus die Stadt und die westlich gelegene Autobahntrasse ins Auge fassen. Dazu gab es einen sehr informativen Überblick über die Stadtgeschichte und ihre Bauten durch den Heimatverein Jevicko.

Am Samstag, den 18.4.2009 erfolgte dann mit etwa zehn PKW die Bereisung der Trasse im  Bereich von Jevicko bis Cerna Hora (Schwarzenberg), allerdings auf der normalen Autostraße. Erster Halt war südwestlich von Jevicko, wo Bachdurchlässe, eine Straßenunterführung und die unvollendeten Reste der Anschlussstelle eine ausführliche Besichtigung wert waren. Am südlichen Ende unserer „Reise“ gab es einen ehemaligen Bauhof und einen Bachdurchlass mit der Jahreszahl „1941“ zu sehen. Dazwischen hatten wir immer wieder einen Blick auf die Trasse.
Im größeren Umfeld von Boskovice folgten gleich mehrere Höhepunkte: das ehemalige Arbeitslager „Heidelberg“, ein Stück heute zur Landstraße ausgebauter RAB, das gutshofartige Hotel Sudicky Dvur, wo wir zu Mittag aßen, und das absolute Glanzstück, eine 42 m hohe Dammschüttung (etwa 1 Mio cbm Erdreich) mit parabelförmigen Durchlässen für eine Straße und einen Bach. In diesem Abschnitt sollte auch noch eine Raststätte errichtet werden.

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Jevicko / Gewitsch vom Stadtturm

Blick zur Autobahntrasse

Glocken und Inschrift im Stadtturm von Jevicko / Gewitsch

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An- und Abreise über die wenigen in Gebrauch befindlichen Kilometer der Strecke

Eine Unterführung wird begutachtet und erklommen

Photographieren bis die Speicherkarte glüht ...

Der Bachdurchlaß wird von einigen verwegenen Teilnehmern durchschritten

Sonst gehört ihm die Trasse alleine

Setzungsrisse nach 70 Jahren

Ein paar der tschechischen Freunde

Mittagspause in passender Umgebung

Bei ausgezeichnetem Essen lassen sich die Eindrücke austauschen

Gemütliches Beisammensein nach der Exkursion

Die Korrekturfahnen des neuen Buches über die tschechischen Autobahnen

Unser Frühjahrstreffen 2009 führte uns nach Mähren in der Tschechischen Republik. Unser Ziel war, die sogenannte. „Durchgangsautobahn Breslau – Brünn – Wien“ zu erkunden.

Im Jahr 1935 begann auch die damalige Tschechoslowakei mit der Planung von Autobahnen. Priorität hatte die West-Ost-Magistrale von Prag nach Brünn und weiter Richtung Osten. Dazu kamen weitere Anschlüsse, auch in die Nachbarländer.

Nach den politischen Veränderungen im Herbst 1938 zeigte das Deutsche Reich ein starkes Interesse an einer Autobahnverbindung zwischen Breslau und Wien. Ausgehend vom schlesischen Breslau sollte die etwa 350 km lange Autobahn in sehr geradliniger Nord-Süd-Führung über das mährische Gebiet nördlich und südlich von Brünn nach Wien führen. Daher wurde am 19.11.1938 ein Staatsvertrag zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei über den Bau einer exterritorialen „Durchgangsautobahn“ mit pass- und zollfreiem Durchgangsverkehr unterzeichnet. Zoll- und Passstellen sollten nur an den Anschlussstellen an das tschechoslowakische Straßennetz erfolgen.
Schon vor Ostern 1939 begannen die Bauarbeiten und im Oktober 1939 waren etwa 60 km des rund 75 km langen Abschnitts durch Mähren und ein Teil der Strecke im Sudetenland in Bau. Durch den 2. Weltkrieg  blieben die Bauarbeiten ab 1942 liegen; sie sind aber noch heute an vielen Stellen gut zu erkennen, so dass wir einige besichtigen konnten.

Anschließend fuhren wir nach Moravska Trebova (Mährisch Trübau). Im dortigen Stadtmuseum sahen wir zunächst einen Videofilm über Geschichte und Sehenswürdigkeiten der Stadt und ihrer Umgebung. Anschließend konnten wir eine Reihe von RAB-Unterlagen „studieren“: einen Plan von 1941 mit genau eingezeichnetem geplanten RAB-Verlauf, eine Landkarte von heute mit dem eingezeichneten Verlauf der RAB vom schlesischen Glatz bis Moravska Trebova (Mährisch-Trübau) und viele Zeichnungen der geplanten Autobahn. Zum Schluss informierte uns im „Begegnungszentrum zur Erinnerung an die deutsche Vergangenheit“ eine nach 1945 dort gebliebene deutschstämmige Bewohnerin über die Geschichte des dortigen Gebiets, dem Schönhengstgau, einer deutschen Sprachinsel bis zum Ende des 2. Weltkriegs. Dieses Zentrum wurde 1992 eingerichtet.

Am Abend dieses Tages gab es keine Mitgliederversammlung, dafür war genügend Zeit für ausführliche Diskussionen. U.a. stellten zwei tschechische Autoren ihren neuen Bildband vor, der mit vielen Fotos einen Überblick über 70 Jahre Autobahnbau in der Tschechischen Republik gibt.

Nachdem die Freitags-Anreise zum Teil von wolkenbruchartigen Regenschauern begleitet wurde, schien ab dem späten Nachmittag dieses Tages bis zum Sonntag überwiegend die Sonne. Daher können wir wieder einmal feststellen, dass es ein herrliches Treffen gewesen ist!

Dr.-Ing. Wolfgang Seele, Mannheim

http://www.dalnice.com/fotogal/vypravy/17.04.2009_jevicko/index.htm

Weitere Bilder vom Treffen:

Europäisches Autobahntreffen in Gewitsch
bei Mährisch-Trübau 17.-19.04.2009

Historische Dokumente zur Strecke 138

Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte o9
Geschichte der deutschen Autobahnen_2016
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